VARTA AG

Battery Experts since 1887 – Europas Batterie-Ikone aus Ellwangen kämpft sich zurück

1. Stammdaten & Basisinformationen

Firmenname:
VARTA AG
Rechtsform:
Aktiengesellschaft (AG)
Registergericht Ulm, HRB 728059
Gründungsjahr:
1887 (als Accumulatoren-Fabrik AG)
Hauptsitz:
VARTA-Platz 1
73479 Ellwangen (Jagst), Baden-Württemberg
Branche:
Batterietechnologie / Energiespeicher / Microbatterien / Consumer Batteries
Börsennotierung:
Ehemals börsennotiert (SDAX); nach StaRUG-Verfahren 2024 nicht mehr börsennotiert – Kleinaktionäre entschädigungslos verdrängt
Hauptgesellschafter (Stand März 2026):
Montana Tech Components AG (Michael Tojner, Österreich) – 50 %
Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG – 50 %
Website:
www.varta-ag.com
Tel.: +49 7961 921-0
Gründer & Geschichte:

Die Geschichte von VARTA beginnt 1887 – also noch vor Bosch (1886 nur um ein Jahr verpasst) – als Accumulatoren-Fabrik AG. Der Name VARTA entstand später als Akronym für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur Transportabler Akkumulatoren". Seitdem hat VARTA Batterietechnologie für nahezu jede Epoche der Elektrifizierung geliefert: von frühen Bleibatterien über Haushaltsbatterien bis zu modernsten Lithium-Ionen-Knopfzellen.

In den 2000er Jahren wurde das Traditionsunternehmen in mehrere eigenständige Einheiten aufgespalten. Die heutige VARTA AG mit Sitz in Ellwangen vereint die Bereiche Consumer Batteries, Microbatterien, Lithium-Ionen-Zellen und Energiespeichersysteme. Der Bereich VARTA Autobatterien gehört hingegen zur amerikanischen Clarios LLC.

Ellwangen ist seit Jahrzehnten das Herzstück des Unternehmens – hier befinden sich Hauptsitz, die zentrale Forschung & Entwicklung sowie die wichtigste Produktionsstätte. Weitere Standorte sind Dischingen und Nördlingen (Varta Storage, Varta Micro Production).
Wichtige Meilensteine:
  • 1887: Gründung als Accumulatoren-Fabrik AG
  • 2002: Aufspaltung der ursprünglichen VARTA AG in drei unabhängige Einheiten
  • 2017: Börsengang der neuen VARTA AG zum Ausgabepreis von 17,50 Euro
  • 2021: Aktienkurs-Höchststand von 181,30 Euro – VARTA gilt als Europas Batterie-Hoffnung
  • 2022: Beginn der Krise – Auftragsrückgang bei Apple, Fehlinvestitionen, steigende Schulden
  • Feb. 2024: Schwerer Cyberangriff lähmt das Unternehmen monatelang
  • Juli 2024: Einleitung des StaRUG-Restrukturierungsverfahrens – Sanierung ohne formelle Insolvenz
  • Aug. 2024: Einigung: Porsche und Montana Tech (Tojner) investieren je 30 Mio. Euro, erhalten je 50 % – Kleinaktionäre leer ausgegangen
  • Anfang 2025: Restrukturierung abgeschlossen, operative Neuausrichtung beginnt
  • 2025: Abbau von ~800 Stellen weltweit (davon ~400 in der Region)
  • Aug. 2025: Erstes positives bereinigtes EBITDA: 30,6 Mio. Euro – erste Zeichen des Neubeginns
  • 2026: VARTA wird TOP-Partner der Landesgartenschau Ellwangen 2026
Wichtige Partner & Kunden:

Apple Porsche AG Montana Tech Volkswagen EnBW Siemens Healthineers Sonos Samsung

2. Kontakt & Führung

Adresse:
VARTA-Platz 1
73479 Ellwangen (Jagst)
Tel.: +49 7961 921-0
Weitere Standorte:
Dischingen (Produktion)
Nördlingen (VARTA Storage, VARTA Micro Production)
Shenzhen (China), Indonesien, Rumänien
Vorstand & Führung (Stand März 2026):
  • CEO (Vorstandsvorsitzender): Michael Ostermann – seit der Restrukturierung auch treibende Kraft des Neustarts
  • CFO (Finanzvorstand): Rolf Glessing
  • CTRO: Sebastian Rudow
  • Vorsitzender des Aufsichtsrates: Günther Apfalter
  • Hauptgesellschafter: Montana Tech Components AG (Michael Tojner) & Porsche AG – je 50 %
„Die VARTA AG verfügt über ein starkes technologisches Fundament und die Chance, sich in strategisch relevanten Zukunftsmärkten klar zu positionieren." – Günther Apfalter, Aufsichtsratsvorsitzender

3. Was macht VARTA eigentlich?

VARTA ist Europas bedeutendster Batteriehersteller für Spezialbatterien und Energiespeichersysteme. Das Unternehmen produziert und vertreibt ein umfassendes Sortiment – von winzigen Knopfzellen für Hörgeräte und kabellose Kopfhörer über klassische Haushaltsbatterien bis hin zu modernen Lithium-Ionen-Akkus und stationären Heimspeichersystemen für Solar-Energie. Qualitätsmaßstab aus Ellwangen, der weltweit in Milliarden von Geräten steckt – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.

Die Geschäftsbereiche:

🔋 Microbatterien (VARTA Microbattery GmbH):
Das technologisch wertvollste Segment. Winzige Lithium-Ionen-Knopfzellen für kabellose Kopfhörer (z. B. Apple AirPods), Hörgeräte, Wearables und Medizintechnik. VARTA ist hier europäischer Technologieführer und einer der wenigen westlichen Anbieter, die mit asiatischer Konkurrenz mithalten können. Bis zu 62 Millionen Einheiten Jahresabsatz allein für Apple-Produkte (2025) – Tendenz steigend.
🏠 Consumer Batteries (VARTA Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA):
Das klassische Alltagsgeschäft: AA-, AAA-Batterien, Knopfzellen, Akkus für Fernbedienungen, Spielzeug, Taschenlampen. Die Marke VARTA ist in Europa sehr stark – Europas meistgekaufte Batteriemarke im Einzelhandel.
⚡ Energiespeicher / Storage (VARTA Storage GmbH):
Stationäre Lithium-Ionen-Speichersysteme für Privathaushalte und Gewerbe – zum Speichern von Solarstrom. Der VARTA pulse/element ist eines der bekanntesten Heimspeichersysteme Deutschlands.
🔬 Lithium-Ionen-Zellen & Batteriepacks (V4Smart / Spezialprojekte):
Entwicklung maßgeschneiderter Batterielösungen für industrielle Anwendungen, Medizintechnik und automotive Nischen (V4Drive Battery GmbH – Kooperation mit Porsche für Hochleistungszellen).
Alleinstellungsmerkmale (USP):
  • Europäischer Technologieführer bei Lithium-Ionen-Microbatterien – kaum westliche Konkurrenz auf diesem Niveau
  • Apple als Ankerpartner: Strategischer Lieferant für AirPods und künftige Apple-Wearables – auch als Gegengewicht zur chinesischen Lieferketten-Abhängigkeit Apples
  • 135+ Jahre Batterieexpertise – tiefes Material- und Prozessknowhow, das nicht schnell replizierbar ist
  • Starke Marke im Endkundenmarkt: VARTA ist Europas bekannteste Batteriemarke im Handel
  • Forschungsstärke: ~200 Mitarbeiter in F&E allein in Ellwangen
  • Heimspeicher-Kompetenz: Einer der führenden Anbieter stationärer Solarstromspeicher in Deutschland

4. Kennzahlen & Struktur

~4.000
Mitarbeitende weltweit (nach Stellenabbau 2024/25)
~200
Mitarbeiter in F&E (Ellwangen)
30,6 Mio. €
Bereinigtes EBITDA 2024 – erster Erfolg des Neustarts
60 Mio. €
Frischer Kredit zur Stabilisierung (2024)
62 Mio.
Erwartete Microbattery-Einheiten für Apple (2025)
1887
Gründungsjahr – 135+ Jahre Batterieexpertise
Standorte Deutschland:
  • Ellwangen (Jagst): Hauptsitz, Produktion Microbatterien, zentrale F&E, VARTA Consumer Batteries
  • Dischingen: Produktion (Zink-Luft-Hörgerätebatterien)
  • Nördlingen: VARTA Storage GmbH (Heimspeicher), VARTA Micro Production GmbH
International: Shenzhen (China), Indonesien, Rumänien

Aktuelle Lage: Krise, Rettung und vorsichtiger Neustart

🚨 Der Absturz 2022–2024: Wie eine Erfolgsgeschichte fast scheiterte

VARTA war nach dem Börsengang 2017 eine der großen Erfolgsstorys der deutschen Wirtschaft. Anfang 2021 notierte die Aktie bei sagenhaften 181,30 Euro – das Unternehmen galt als „Europas Batterie-Hoffnung". Dann kam der Fall:

  • Zu viel Apple-Abhängigkeit: Als Apple seine AirPods-Aufträge reduzierte und günstigere asiatische Anbieter bevorzugte, brachen Varta die Umsätze weg
  • Fehlgeschlagene Großprojekte: Der Aufbau einer Lithium-Ionen-Batteriefabrik für Elektroautos wurde vorzeitig aufgegeben – die chinesische Konkurrenz war zu weit vorne
  • Massiver Cyberangriff Februar 2024: Hacker lähmten das Unternehmen monatelang, Produktionsdaten waren nicht mehr zugänglich
  • Schuldenberg: Die Verbindlichkeiten türmten sich auf knapp 500 Millionen Euro – nicht mehr tragbar
Im Juli 2024 meldete Varta ein Restrukturierungsverfahren nach dem deutschen StaRUG-Gesetz an. Von einst über 180 Euro war die Aktie auf unter 2 Euro gefallen.
⚠️ StaRUG: Rettung auf Kosten der Kleinaktionäre

Das StaRUG-Verfahren (Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz, seit 2021 in Kraft) ermöglichte Varta eine Sanierung ohne formelles Insolvenzverfahren – ein in Deutschland noch relativ neues Instrument. Der Preis war drastisch:

Das Grundkapital wurde auf null herabgesetzt. Alle bisherigen Aktionäre – insbesondere Kleinanleger – verloren ihr gesamtes investiertes Geld ohne Entschädigung. Institutionelle Gläubiger hingegen wurden bevorzugt behandelt und erhielten sogar Gewinnbeteiligungen für die Zukunft. Für viele private Anleger, die auf die VARTA-Story gesetzt hatten, bedeutete das den Totalverlust.
✅ Der Neustart: Porsche als Retter aus Stuttgart

Im August 2024 kam die Einigung: Der bisherige Mehrheitseigner Michael Tojner (Montana Tech Components, Österreich) und der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche AG investieren je 30 Millionen Euro und übernehmen je 50 % der neuen VARTA AG. Zusätzlich erhält das Unternehmen einen Kredit von 60 Millionen Euro.

Warum Porsche? Zum einen interessiert sich Porsche strategisch für Hochleistungs-Batteriezellen (Projekt V4Drive für Sportwagen-Akkus). Zum anderen: Varta wollte sich niemanden aus Asien ins Haus holen – und für Porsche ist die Beteiligung auch ein industriepolitisches Signal für den Standort Deutschland.

Anfang 2025 war das Restrukturierungsverfahren abgeschlossen. CEO Ostermann: „Mit dem erfolgreich abgeschlossenen StaRUG-Verfahren und der vollzogenen finanziellen und operativen Neuausrichtung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, das Unternehmen wieder auf einen profitablen und zukunftsfähigen Kurs zu bringen."
🎯 Wo steht VARTA heute? (Stand März 2026)

Die ersten Signale sind vorsichtig positiv. Das bereinigte EBITDA von 30,6 Millionen Euro (2024) zeigt, dass das operative Geschäft wieder funktioniert. Der Schlüssel zur Zukunft liegt im Microbattery-Bereich:

  • Apple hat Varta als strategischen Batterielieferanten bestätigt – auch für kommende AirPods-Generationen. Apple hat dabei ein Eigeninteresse: Unabhängigkeit von chinesischen Lieferketten.
  • Wachstumspotenzial: Für 2025 werden bis zu 62 Millionen Einheiten erwartet, für 2026 sogar 68 Millionen – Tendenz steigend durch neue Gesundheitsfunktionen in Wearables (Herzfrequenz, Temperatur)
  • Fokus auf Kernstärken: Statt teurer Großprojekte konzentriert sich Varta auf das, was es wirklich kann – Microbatterien und Consumer-Produkte
  • Stellenabbau abgeschlossen: ~800 Stellen weltweit wurden gestrichen, das verbleibende Team ist schlanker und fokussierter
  • Regionales Engagement: VARTA ist TOP-Partner der Landesgartenschau Ellwangen 2026 – ein Signal der Verwurzelung und Normalität nach turbulenten Jahren
Ob der Neustart dauerhaft gelingt, hängt jedoch wesentlich von der Auftragslage ab. Die operative Umsetzung des Restrukturierungsplans läuft bis Ende 2027 – bis dahin bleibt Varta unter Beobachtung.
🏠 Bedeutung für Ellwangen und die Region Ostalb

VARTA ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region Ostalb – tief verwurzelt in der Stadt Ellwangen und den umliegenden Gemeinden. Die Krise der Jahre 2022–2024 hat viele Familien in der Region verunsichert. Der Erhalt von rund 3.000 Arbeitsplätzen im „Varta-Dreieck" Ellwangen–Dischingen–Nördlingen war daher für die gesamte Region existenziell.

Oberbürgermeister Michael Dambacher begrüßte das Engagement bei der Landesgartenschau 2026: „Die Beteiligung eines so traditionsreichen Unternehmens ist ein starkes Signal für die gesamte Region." Dem kann man nur zustimmen – VARTA und Ellwangen gehören untrennbar zusammen.

VARTA AG – VARTA-Platz 1, 73479 Ellwangen (Jagst)

Stand: März 2026

Battery Experts since 1887 – Ein Traditionsunternehmen kämpft sich zurück